"Für Menschen am Rande der Gesellschaft einstehen." - Was Ärzt_innen bewegt, in der Suchtarbeit tätig zu sein. 

Das Tätigkeitsfeld für Ärzte und Ärztinnen, die gerade mit der Ausbildung fertig geworden sind, ist groß und vielfältig. Hinzu kommt, dass am medizinischen Arbeitsmarkt die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt. Eine Jungärztin kann sich oft zwischen mehreren Jobangeboten entscheiden. 


Wir haben im Dialog in den letzten Jahren immer wieder bemerkt, dass sich die Suche nach medizinischem Personal als sehr herausfordernd darstellt. Umso erfreulicher war es, dass wir 2021 innerhalb von neun Monaten fünf neue Mediziner_innen gewinnen konnten. Unsere Anreize für die Bewerber_innen waren: patient_innenzentriertes Arbeiten in multiprofessionellen Teams, eine geregelte Fünf-Tage-Woche (keine Nacht- oder Wochenendienste), familienfreundliche Arbeitsbedingungen, Fort- und Weiterbildungen und vieles mehr.

Aber was ist die Hauptmotivation, sich für den Suchtbereich zu entscheiden? Eine der neuen Kollege_innen, Bernadette Schwengerer (Fachärztin für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin), haben wir für den Jahresbericht zum Interview gebeten und nachgefragt, was sie dazu bewogen hat, im Dialog zur arbeiten:

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Klara Weiss, Assistentin der Geschäftsführung

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Dr. Bernadette Schwengerer, 

Fachärztin für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, seit 2021 im Verein Dialog, Integrative Suchtberatung Modecenterstraße.

Liebe Bernadette, wie bist du auf den Dialog aufmerksam geworden? Hast du den Dialog vor deiner Bewerbung schon gekannt bzw. von ihm gehört?

Bernadette Schwengerer: Ich habe vom Dialog bereits während meiner Ausbildung gehört und hätte sehr gerne ein Jahr der Facharztausbildung im Dialog absolviert. Das war leider nicht möglich, zeigt jedoch mein Interesse für das Arbeiten im Suchtbereich im Allgemeinen. Für mich war dann schnell klar, dass ich nach Ausbildungsende in einer Suchthilfeeinrichtung tätig sein möchte.


In welchem Bereich warst du vorher als Ärztin tätig?

Vor meinem Arbeitsbeginn im Dialog war ich fast nur im Spital tätig. Ich habe zuerst die Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin absolviert und habe dann mit der Facharztausbildung Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin begonnen.
Während meiner Ausbildungszeit war ich eine Zeit lang im Zentrum für Suchtkranke der Klinik Penzing tätig. Damals habe ich sowohl in der Ambulanz, der Tagesklinik als auch im stationären Setting gearbeitet und auch die forensische Akutpsychiatrie mitbetreut. Durch dieses breite Spektrum habe ich einen guten Einblick in das Arbeiten mit der Zielgruppe des Dialog erhalten, die nach wie vor die Hauptmotivation war, mich beim Dialog zu bewerben. 


Was gefällt dir an deiner Arbeit im Dialog - in Hinblick auf die Patient_innen?

Ich habe schon immer gerne mit Menschen gearbeitet, die „am Rande der Gesellschaft“ stehen und oftmals nicht gehört werden. Es passiert leider auch immer wieder, dass sich Mitmenschen von unseren Patient_innen abwenden. Mir persönlich ist es wichtig, diesen Menschen, die auch sonst nicht sehr viele Bezugspersonen haben, einen Ort zu bieten, an dem sie sich mitteilen können, und mit ihnen gemeinsam zu versuchen,  Wege zu finden, wie sie ihr Leben trotz leider noch immer vorherrschender Stigmatisierung  gut meistern können.

Warum Ärzt_innen gerne im Verein Dialog tätig sind?

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Was ist für dich das Herausfordernde an der Arbeit mit dieser speziellen Zielgruppe?

Herausfordernd für mich ist des Öfteren, dass man sich immer wieder auf jeden Patienten persönlich und sehr flexibel einstellen muss. Da es der Zielgruppe oft nicht möglich ist, Termine einzuhalten, muss man versuchen, dies als Teil ihrer Persönlichkeit anzuerkennen, und muss während des normalen Arbeitsprozesses auch anpassungsfähig sein, um eben den Menschen gerecht werden zu können.


Was gefällt dir - allgemein gesprochen – an der Arbeit im Dialog besonders gut?

Ein Punkt ist das Arbeiten mit der Zielgruppe im Dialog, die ich sehr gerne mag und wo ich auch des Öfteren eine große Dankbarkeit erlebe.
Ein zweiter Punkt ist die gut funktionierende Zusammenarbeit mit Kolleg_innen, die ich betonen möchte. Egal ob psychosoziale Kolleg_innen, Ärzt_innen oder der Journaldienst - es ist mit allen möglich, auf einer gut strukturierten Ebene zu kommunizieren, um die Patient_innen dort abzuholen, wo sie stehen.


Was muss man deiner Meinung nach als Arzt, Ärztin mitbringen, um im Dialog gut arbeiten zu können?
Ich denke, man muss ein gewisses Maß an Akzeptanz für das „Eigen-Sein“ unserer Patient_innen mitbringen, ohne den Wunsch zu haben, diese „verändern“ zu wollen. Man sollte sich im Arbeiten flexibel zeigen, da, wie schon erwähnt, Patient_innen oft ihr eigenes Modell von „Zeit und Raum“ haben. Außerdem finde ich es besonders wichtig, der Patientin, dem Patienten auf Augenhöhe zu begegnen. Nur so kann es gut gelingen, eine Vertrauensbasis für das weitere Arbeiten aufzubauen.

Verein Dialog

Hegelgasse 8/11, 1010 Wien

+43 1 205 552

office@dialog-on.at

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