Menschen mit Behinderung - eine neue Zielgruppe?

Menschen mit Behinderung sind keine exotischen Wesen von einem anderen Stern, die ihr Leben abseits der Realität „normaler“ Menschen leben. So banal diese Aussage auch ist, so wenig selbstverständlich ist es, sie ernst zu nehmen. Integration ist nach wie vor ein Auftrag und dazu gehört auch, sich der Tatsache zu stellen, dass Menschen mit Behinderung auch Suchtmittel konsumieren – und entsprechende Unterstützung benötigen.

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Martin Weber, Suchtprävention und 

Früherkennung

Im Dialog wird regelmäßig eine Diversity-Dimension als Schwerpunktthema hervorgehoben. In den Jahren 2020 und 2021 war es das Thema „Menschen mit Behinderung“. Während des Jahres wurden relevante Informationen zu rechtlichen Bestimmungen, speziellen Unterstützungsmöglichkeiten und Kooperationspartner_innen zusammengetragen. Die Barrierefreiheit der Standorte wurde ebenso überprüft wie die bisherigen Erfahrungen mit der Zielgruppe reflektiert – und einige Blinde Flecken entdeckt.

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Thomas Abel von der aktionsberatung bei unserer Herbstklausur am 08.10.2021.

Menschen mit körperlichen Einschränkungen haben in manchen Fällen Probleme bei der Beschaffung eines Suchtmittels, Menschen mit intellektuellen Einschränkungen oder geistigen Behinderungen erhalten oft nicht adäquate Informationen zu Suchtmitteln und Konsum, zudem empfehlen sich spezielle Methoden in der Prävention und in der Beratung. Und gilt es nicht, sich mit der prinzipiellen Haltung innerhalb von Einrichtungen zum Thema auseinanderzusetzen?

Einen Höhepunkt bildete der Vortrag von Thomas Abel von aktionsberatung, einem Projekt „Geistige Behinderung und Substanzkonsum“ in Wiesbaden auf unserer Herbstklausur. Dabei wurde deutlich, dass ein niedrigschwelliger Zugang zu Angeboten der Suchthilfe notwendig ist, um Menschen mit Behinderung zu erreichen und ihnen das Gefühl zu vermitteln, mit der doppelten Diskriminierung ernst genommen zu werden.


Welche konkreten Ergebnisse haben sich aus unserer Auseinandersetzung ergeben?
-    In Kooperation mit dem Institut für Suchtprävention (ISP) der Sucht- und Drogenkoordination Wien, die bereits Broschüren in einfacher Sprache zur Verfügung stellt, haben wir Curricula für Präventionsveranstaltungen für Betreuer_innen und die primäre Zielgruppe erarbeitet, die 2022 erstmals umgesetzt werden sollen.
-    Für den internen Gebrauch haben wir sämtliche Antrags- und Aufklärungsformulare in einfache Sprache übersetzt. So können die oft komplizierten Inhalte von den Betreuer_innen leicht übersetzt werden.
-    Spezielle Methoden, welche die Kommunikation erleichtern, werden zur Verfügung gestellt und eingesetzt.


Das neue Diversity-Schwerpunktthema 2022 lautet „Alter und Intergenerationalität“. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns nicht weiter mit dem Thema „Menschen mit Behinderung“ auseinandersetzen.

Verein Dialog

Hegelgasse 8/11, 1010 Wien

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